Ein Mensch bleibt Mensch... Die Entstehung des sekundären Wirtschaftssektors Industrie (und dann
auch des tertiären Sektors Dienstleistungen) hinterließen einen
bleibenden Eindruck in der Arbeitswelt. Im Laufe der Zeit entwickelte
sich eine Arbeiterklasse, die als nicht unabhängige Beschäftigte bei
einem Unternehmen beschäftigt waren und für ihre Leistung durch
Geldzahlungen entlohnt wurden. In Deutschland besserten sich die
besonders zu Beginn des industriellen Zeitalters doch sehr schlechten
Arbeitsbedingungen durch Arbeitnehmervertretungen, tarifliche Verträge
und staatliche Gesetze wie zum Beispiel Kündigungsschutz. Mit den
Veränderungen der Arbeitsbedingungen ging nach dem zweiten Weltkrieg
auch ein Wachstum der Sicherheit des Arbeitsplatzes einher. Daher war
es zu Zeiten des sogenannten Wirtschaftswunders in der Bundesrepublik
ab 1950 nichts Ungewöhnliches, wenn ein Arbeitnehmer über mehrere Jahre
oder gar dutzende Jahre bei einem Betrieb angestellt war oder gar sein
komplettes Leben lang bis zum Anfang seiner Pensionierung ständig in
dem selben Unternehmen beschäftigt war. Demgemäß wurden mit den
Arbeitern sehr häufig feste Arbeitsverträge ohne Determinierung
abgeschlossen, wodurch die Arbeitnehmer eine große Sicherheit zum
Planen und für ihren Arbeitsplatz erlangten. Das Ende des kalten
Krieges und der Anfang der Globalisierung verursachten große
Umwandlungen für die Handelswelt der europäischen Industrienationen und
besonders für die deutsche Wirtschaft und den Arbeitsmarkt in
Deutschland mit sich. Da Deutschland ein Hochlohnland ist und die
Arbeiterlöhne in Osteuropa und den asiatischen Staaten wesentlich
niedriger sind, wurde Anpassungsfähigkeit im Personalbereich für
Unternehmen besonders wichtig, weshalb determinierte Arbeitsverträge
und Zeitarbeit an Bedeutung gewannen und die Personalfluktuation in den
Betrieben in die Höhe stieg. Wegen der beträchtlichen Arbeiterlöhne und
staatlichen Hürden wie zum Beispiel dem mehrfach erörterten
Kündigungsschutz stellten Unternehmen neue Mitarbeiter oftmals nur für
eine gewisse Frist ein oder es gab ganz einen Verzicht auf Schaffung
noch nicht vorhandener Arbeitsplätze. In Deutschland führte dies zu
einem enormen Wachstum der Nichtbeschäftigten auf mehr als 5 Mio.
Gruppen.In Deutschland probierte die rot-grüne Bundesregierung
innerhalb der sogenannten Rezessionsjahre ab 2001, die
Nichtbeschäftigten zu Bekämpfen und die Wirtschaft anzutreiben. Dafür
wurden die sogenannten Agenda 2010 und die Hartz-Reformen entwickelt,
welche vor allem eine Stärkung der Zeitarbeit durch den Abbau von
strikten Richtwerten wie zum Beispiel einer maximalen Überlassungsdauer
in die Wege leiten sollten. Für Unternehmer hat Zeitarbeit den Vorteil,
dass bei besonders hoher Erschöpfung eines Betriebes über solche
Dienstleister ganz fix Mitarbeiter hinzugezogen werden können. Solche
Arbeitnehmer sind bei der Firma für Zeitarbeit beschäftigt und werden
von ihr vergütet. Sobald die Beschäftigung in dem ausleihenden
Unternehmen sinkt, muss der Beschäftigten nicht weiter von dieser Firma
angestellt werden und die Firma für Zeitarbeit sucht eine neue Firma
für ihn. Die Personallogistik
übernimmt somit die Zeitarbeitsfirma. Der größte Nutzen für den
Beschäftigten ist, dass er den Zustand der Nichtbeschäftigten
überwindet, praktische Sachkenntnisse sammeln kann und bei
zufriedenstellender Arbeit eventuell auch Chancen auf eine Übernahme
und somit eine Festanstellung in einem Unternehmen besitzt. Der Bereich
Zeitarbeit und Personaldienstleistung gewann wegen der Lockerung
gesetzlicher Vorschriften somit wesentlich an Zuneigung, was zur
Konsequenz hatte, dass mehrere Unternehmen seit mehreren Jahren
alternierend zur sogenannten Stammbelegschaft vermehrt auf
Beschäftigten zurückkommen. Somit trug auch die Zeitarbeit Deutschland
seinen Anteil zum merklichen Rückgang der Nichtbeschäftigten seit dem
Jahr 2006 bei.
Ralph Schuenemann
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