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Esoterik: Verrücktheit oder eine Möglichkeit der Weiterentwicklung?
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Manuela Schindler
Geboren 1958, kaufmännische Ausbildung, langjährige spirituelle Lebens- und Krisenberaterin. Leiterin eines deutschlandweiten Beratungsstellennetzwerkes für spirituelle Krisen und mediale Notfälle. Mein Ansinnen ist es, kritisches Licht auf einige esoterische Praktiken zu werfen und geschädigten Esoterikern Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten.

 
Von Manuela Schindler
Herausgegeben am 13.03.08
 
Esoterik bietet eine Chance zur keativen Veränderung des Lebens, ist aber auch mit großen Risiken behaftet, daran besteht kein Zweifel. Wie kann man jedoch die Polarisation, die gerade zu diesem Thema in der Gesellschaft besteht, aufheben und so eine gesunde Synthese schaffen, die dem geistigen Fortschritt der Menschheit dienen kann?

Esoterik: Verrücktheit oder Möglichkeit der Weiterentwicklung?

Der Mensch von Heute ist zunehmend auf der Suche nach alternativen Lösungen, da die modernen gesellschaftlichen Strukturen, die wir uns aufgebaut haben, nicht wirklich gut funktionieren. Man braucht ja nur auf die massiven Probleme der Jugendlichen, auf die Zunahme der Gewalt, Drogenkonsum und die globale Umweltsituation zu schauen. Und dass immer noch Millionen Menschen im Jahr verhungern müssen, während andere nicht wissen, wie sie ihre Milliarden am besten ausgeben können, ist ebenfalls ein seltsames Phänomen. Wir brauchen also neue Lösungen und die Hoffnung, dass sich ein Einsatz wirklich lohnt. Es gibt nachweislich sehr gute Erfolge durch die Esoterik bei Drogenabhängigkeit, Kriminalität und Ausgrenzung, denn die Lehre von Karma und Wiedergeburt, sowie vom Weiterleben nach dem Tode, bringt wichtige Gedanken der Verantwortungsübernahme hervor und verleiht dem Leben nebenbei damit auch wieder einen tieferen Sinn. Mir sind einige Fälle von ehemaligen Drogensüchtigen und Kriminellen persönlich bekannt, die durch die Lehren der esoterischen Bewegung Heilung finden konnten und heute ein nützliches, freudiges und fruchtbares Leben zu führen in der Lage sind.

Die Lehren der esoterischen Bewegung versprechen, dass man ganz unkompliziert neue Lösungen finden kann und wird, und oft ist das auch so. Zumindest zunächst für den einzelnen Menschen.

Es gibt natürlich auch Schattenseiten der Esoterik, doch ist mit pauschaler Dämonisierung aller esoterischen Praktiken oder spiritueller Gemeinschaften/Gruppierungen niemandem geholfen, denn der Mensch hat nun einmal einen evolutionären Weg vor sich, der ihn in ganz neue Bereiche des Lebens und des Bewusstseins führen wird und muss! Und dazu wird er vorgegebene Grenzen überschreiten müssen, auch im esoterischen Bereich, wenn er weiterkommen will. Dass letztlich auch unser Planet Erde davon profitieren kann, versteht sich.

Bedenkt man, WIE wenig der Mensch sein geistiges Potential augenblicklich ausschöpft - man nehme dazu nur als Beispiel die auf wissenschaftlichem Wege ermittelte niedrige Prozentzahl der Auslastung unserer Gehirnkapazitäten -, kann man deutlich erkennen, wie lang der Weg noch ist, der vor uns liegt und dass man keinesfalls schon jetzt das Wissen um den augenblicklichen Stand der Dinge als endgültige Wahrheit betrachten darf.

Das Wissen um die menschliche Psyche steckt ebenfalls noch in den Anfängen, und wenn man den geistig/spirituellen Aspekt ausklammert, wird es auch so bleiben müssen. Stattdessen wird durch eine (viel zu früh) festgelegte, rein materiell ausgerichtete Haltung geistiges Wachstum blockiert. Der Mensch hat ein unbegrenztes Universum vor sich und es - materiell gesehen - gerade einmal bemannt bis zum Mond geschafft. Das ist nicht wirklich weit angesichts der Größe dessen, was noch vor uns liegt. Wieso also sollte man glauben, jetzt schon in der Psyche des Menschen alles erkannt zu haben? Ist dort nicht die spirituelle Entsprechungslehre, dass das Materielle den Grad der Verwirklichung des Geistigen anzeigt, sinnvoller und realistischer?

Trotzdem soll nicht unterschlagen werden, dass es tatsächlich sehr viele (viel zu viele!) Menschen gibt, die nicht unbeschadet durch den „Dschungel der Esoterik" kommen!

Mein Aufruf für die geistige und esoterische Freiheit der Menschen soll nun keinesfalls darin gipfeln, mahnende Hinweise von okkulten (kirchlichen) Beratungsstellen, Sektenbeauftragten und ähnlich arbeitenden Organisationen niederzuringen, denn ich stimme mit ihnen tatsächlich in den meisten Punkten absolut überein. Doch ist eine pauschale Verurteilung der Esoterik und das Gebot, die "Finger davon" zu lassen, ohne gleichzeitig eine adäquate Begründung mitzuliefern, warum genau das gesagt wird, einfach nicht mehr ausreichend. Der Mensch liebt es, Grenzen zu überschreiben und ggf. mit „verbotenen Dingen zu spielen", somit fordern die meist mahnenden Hinweise der o.g. Stellen eine Gegenreaktion gerade bei Jugendlichen, die mit unserer Gesellschaft mehr als unzufrieden sind, regelrecht heraus! Und so wird das Gegenteil erreicht.

Einen gesunden Mittelweg zu finden, der einerseits den menschlichen Drang zur Erforschung neuer Bewusstseinsebenen erlaubt, andererseits aber auch über Risiken aufklärt und berät, wie man aus psychische Beeinträchtigungen durch falsche Anwendung esoterischer Praktiken wieder herausfindet, wäre wohl die einzige Alternative, und das wird glücklicherweise seit kurzem bereits getan durch diverse Beratungsstellen, die gerade neu gegründet wurden und sich zunehmend vernetzen (siehe dazu bitte auch das Beratungsstellen-Netzwerk von Phoenix-Netzwerk oder den SEN e.V.).

Die Esoteriker selbst jedoch sollten jedoch auch unbedingt dazu beitragen, ihr Arbeitsgebiet zu "reinigen" durch Dachverbände (die es ja schon gibt, die aber noch sehr machtlos sind), die dafür Sorge tragen, dass Berater gut ausgebildet sind und wissen, was sie tun. Denn dass es heute sogar Selbsthilfegruppen gibt, die "Beratungssüchtige" betreuen müssen, welche durch 0190-Telefon-Kartenleger in den finanziellen und psychischen Ruin getrieben wurden, stimmt sehr bedenklich. Dass auf der anderen Seite Menschen in die Psychiatrie kommen und für krank erklärt werden, obwohl sie aus spiritueller Sicht nur eine wichtige Wachstumskrise haben, die man keinesfalls durch Medikamente oder die klassisch-materiellen Therapieformen heilen kann, ist genauso fragwürdig. Glücklicherweise sind aber auch hier schon minimale Ansätze zur Veränderung zu sehen.

Doch zeigen uns gerade diese beiden Varianten auf, dass in der Gesellschaft eine Spaltung (und damit eine spannungsgeladene Polarität) besteht in Bezug auf die Esoterik, und somit sich ein Arbeitsgebiet auftut, dem man sich stellen sollte, um eine gesunde Synthese herzustellen, statt weiter zu Polarisieren. Ist Esoterik nur schlecht? Ganz sicher nicht. Aber nur gut ist sie auch nicht!