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GELDAUTOMATEN - Die technischen Tricks der Betrüger
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Bernd Schenk
Diplomingenieur (FH) Elektrotechnik | Sachverständiger (aD) | Patentingenieur (Freiberufler) | Gesellschafter der Schenk & Jahr GbR 
Von Bernd Schenk
Herausgegeben am 16.01.08
 
Getreu dem Motto „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“ gilt es im Zeitalter der Geldautomaten, sich vor betrügerischen Machenschaften zu schützen. Unter diesem Gesichtspunkt werden die gegenwärtigen Tricks der Betrüger unter die Lupe genommen.

GELDAUTOMATEN - Die technischen Tricks der Betrüger

Geldautomaten sind aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Umso erschreckender ist die Tatsache, dass die Zahl der Betrugsfälle mit Geldautomaten und Bankkarten von Jahr zu Jahr zunimmt. Die Betrüger bedienen sich dabei eines umfangreichen Technikarsenals, das durchaus in die Kategorie der professionellen Spionage-Ausrüstungen eingeordnet werden kann. Ziel der Betrüger ist es, mit technischen Hilfsmitteln zum einen die durch den Magnetstreifen auf der jeweiligen Bankkarte, insbesondere Debitkarte oder Kreditkarte, gespeicherten Daten auszulesen und zum anderen die dazugehörige PIN (Persönliche Identifikationsnummer) zu erfassen. Verfügen die Betrüger sowohl über die Magnetstreifendaten als auch über die PIN, werden Kartenrohlinge mit den ausgespähten Daten zur Generierung eines Kartenduplikates beschrieben, das in Verbindung mit besagter PIN zum unmittelbaren Missbrauch dient.

Eine häufig zum Einsatz kommende Spionagetechnik ist das so genannte „Skimming". Dabei wird am Geldautomaten vor dem Karteneinschub ein Kartenleservorsatz installiert, der beim Einschieben der Bankkarte in den Karteneinschub die auf dem Magnetstreifen gespeicherten Daten aufzeichnet. Ein derartiger Kartenleservorsatz ist meist an das Erscheinungsbild des Geld- oder auch Bankautomaten angepasst und lediglich aufgeklebt oder mit sonstigen Hilfsmitteln temporär befestigt. Neben den Geldautomaten werden zudem Kartenlesegeräte an der Zugangstür zum Geldautomatenraum und/oder am Kontoauszugsdrucker auf dieselbe Weise manipuliert. Nach einem anderen, als „Loop" bezeichneten, kriminellen Ansatz, wird der Karteneinschub des entsprechenden Gerätes mit einer Schlaufe, Schlinge oder auch Bügel so präpariert, dass die eingeschobene Bankkarte nicht mehr ausgegeben wird. Sobald sich der Kartennutzer von dem Geldautomaten entfernt, um Hilfe zu holen, kann durch die vorgenannten Manipulationsmittel die Bankkarte entwendet werden.

Zur Beschaffung der PIN sind mehrere Vorgehensweisen bekannt geworden. Eine relativ häufig vorkommende Masche besteht darin, oberhalb oder seitlich von der Bedienertastatur am Gehäuse des Geldautomaten eine Mikrokamera anzubringen. Die Mikrokamera kann dabei in einer Blende, einem Gehäuseanbauteil, in einem Gehäusespalt oder auch in einem Prospekthalter versteckt sein. Mittels der so positionierten Mikrokamera ist es möglich, eine PIN-Eingabe eines Geldautomatennutzers zu beobachten. Alternativ zu der Mikrokamera wird auch ein Tastaturvorsatz verwendet, der - wie die Bezeichnung schon erahnen lässt - vor oder über der automatenseitigen Tastatur angeordnet ist. Der Tastaturvorsatz weist entweder einen elektronischen Speicher zur Aufzeichnung der eingegebenen PIN auf oder übermittelt per Funkeinheit die ergaunerten Daten an einen Funkempfänger. Die Funktechnik kommt im Übrigen auch bei den Mikrokameras zum Einsatz. Da der Tastaturvorsatz in der Regel auch über eine Mechanik zur Weiterleitung des jeweiligen Tastendrucks auf die eigentliche Tastatur verfügt, treten keine Funktionsbeeinträchtigungen auf, so dass eine Verdacht auslösende Störung ausbleibt. Zu den Manipulationsvarianten der Tastatur zählt ferner die Aufbringung einer Fingerabdrucksfolie oder eines sehr feinen Puders. Beide Ausführungen lassen einen Schluss auf die eingetippte PIN zu.

An Stelle eines Kartenleservorsatzes werden in jüngster Zeit auch komplette Baugruppen verwendet, die aus einer großflächigen Blende mit einem darin verbauten Kartenleser und einer integrierten Tastatur bestehen. Mit Hilfe einer solchen Baugruppe wird dann der gesamte Bereich um den Bildschirm des Geldautomaten herum abgedeckt. Besonders dreist ist auch der Einsatz eines vollständig nachempfundenen Geldautomaten, der beim Einschieben der Bankkarte und anschließender Eingabe der zugehörigen PIN am Bildschirm eine Fehlermeldung über eine angeblich aufgetretene Störung anzeigt. Daraufhin wird dann die PIN gespeichert und die bereits kopierte Bankkarte wieder ausgegeben oder aber mit einem Hinweis auf einen defekten Mechanismus der Kartenausgabe einbehalten.

Wie unschwer zu erkennen ist, zeugen die technischen Tricks der Betrüger von einer erheblichen kriminellen Energie. Insofern sollte man bei der Nutzung eines Geldautomaten Vorsicht und Skepsis nicht außer Acht lassen.

Hinweise zur Prävention und aktuelle Meldungen rund um das Thema Zahlkartensicherheit erhalten Sie unter Bundeskriminalamt und Kartensicherheit.