In der heutigen Zeit werden Hunde nicht mehr wie früher mit Zwang und Strafe erzogen, sondern durch verhaltensgerechte Maßnahmen, die die Anwendung solcher Methoden überflüssig machen. Es gibt vielleicht noch die eine oder andere Hundeschule, die nicht von obligatorischen Stachelhalsbändern oder Schlimmerem lassen kann, aber der Normalfall ist das zum Glück nicht mehr.
Die Erkenntnisse, die die Verhaltensforschung in den letzten dreißig bis vierzig Jahren hervor gebracht hat, versetzen uns in die Lage, mit Methoden vorzugehen, die der Natur unserer Hunde viel mehr entsprechen und daher viel zuverlässigere Ergebnisse ermöglichen.
Das fängt damit an, dass Hunde vom Welpenalter an erzogen werden und nicht erst, nachdem sie ein Jahr alt geworden sind und hochwichtige Phasen ihrer Jugendentwicklung abgeschlossen sind, die eine besonderer Lern- und Bindungsbereitschaft beinhalten und die früher ungenutzt verstrichen sind.
Wer einen Welpen erzieht, kann von vornherein mit positiver Verstärkung die Verhaltensweisen fördern, die erwünscht sind. Gleichzeitig können bei einem Welpen, der ausgelastet ist, dadurch auch viele unerwünschte Ansätze von Anfang an für das Tier uninteressant gemacht werden, indem sie einfach nicht beachtet oder eventuell negativ verstärkt werden.
Ein Beispiel: eines der wichtigsten Kommandos, die jeder Hund zuverlässig beherrschen sollte, ist das Kommen auf Ruf oder Pfiff. Gerade dies kann schon dem Welpen so angewöhnt werden, dass es ihm von klein auf an in Fleisch und Blut übergeht, also zur festen Gewohnheit wird. Hunde im Welpenalter sind nämlich absolut unselbständig und benötigen das Gefühl beschützt zu werden. Wenn der Hundebesitzer nun sagt "Komm" und sich dann umdreht und weggeht, wird der Welpe ihm folgen, weil er eben nicht allein sein will. Jetzt kann mann ihn loben und ihm durch Tonfall und Knuddeln klarmachen, dass er gern willkommen ist. Das ist eine positive Verstärkung. Ein Leckerli ist dazu vollkommen überflüssig, um nicht zu sagen unangebracht. Nach kurzer Zeit wird er den Ruf "Komm" auch dann beachten, wenn er vielleicht drei oder vier Meter entfernt ist. Natürlich - ganz wichtig - wird stets nur einmal gerufen und dann weggegangen und sich so versteckt, dass der kleine Hund einen weder sehen noch riechen kann, also unter Beachtung der Windrichtung. Sollte der Welpe abgelenkt sein und dem Ruf nicht folgen, wird er nach kurzer Zeit bemerken, dass er plötzlich allein ist. Altersgemäß ist das eine Missempfindung, denn der Schutz durch die Bezugsperson ist plötzlich weg, er fühlt sich einsam. Das ist eine negative Verstärkung der Nichtbeachtung der Aufforderung zum Kommen. Nun kann man noch einmal rufen und sich wieder zeigen. Er wird schleunigst gelaufen kommen und bekommt augenblicklich seine positive Verstärkung.
Wer dieses Prinzip verinnerlicht hat, kann es auch auf diverse andere Situationen oder Verhaltensweisen anwenden und wird Hunde erziehen, die bereits als Junghund stets mit großer Freude gehorchen und eine solide Grundlage für lebenslange Arbeitsfreude und aufmerksames Lernen von immer schwierigeren Aufgaben in sich haben. Daher kann man eine gute Hundeschule unter anderem daran erkennen, dass dort auch Treffen für Welpen und ihre Besitzer angeboten werden.
Autor: Eckbert Heinenberg